Donnerstag, 20. April 2017

Gestern bei den Pferden - Teil 2

- Gegen Abend kamen noch Maike und die Kinder -

Eigentlich wollte ich nach der Heulieferung gestern schnell noch einkaufen, weil man oft zu spät kein vernünftiges Brot mehr bekommt, aber dann kamen doch noch Maike und die Kinder zu den Pferden vorbei. Also wurde es recht spät. Brot habe ich aber trotzdem noch gutes bekommen, hatte gestern Glück, dass es ausnahmsweise mal nicht schon alle war. Zur Not wäre nebenan ja noch Sky gewesen, die meistens länger Brot da haben als Aldi.

Was ich nicht fotografiert habe, weil ich zuerst noch unten weiter Äppel gesammelt habe, wir haben mit Prima aktuell wieder das gleiche Problem wie gehabt.

Seit Dienstag, warum auch immer. Es war jetzt recht lange alles wieder gut, sie ließ sich problemlos aufhalftern und holen und striegeln .. und nun wieder die alte Leier.

Am Dienstag war es schwer, Prima einzufangen. Da war Vanessa schon da, als wir kamen, fleißig am Äppel sammeln wie immer, aber als wir dachten, sie könnte dann ja mit Jürgen mit den Pferden spielen, Pustekuchen, unsere Große machte da erstmal einen großen Strich durch die Rechnung. Jürgen konnte sie aber noch kriegen.

Das war auch gestern so. Sie ließ sich dann zunächst brav striegeln, aber als Vanessa mit ihr auch nur ein bisschen Führtraining machen wollte, riss sie sich los und war wieder weg. Uff.

Vanessa hatte gefragt, ob sie mal wieder vorsichtig auf Chiwa Schritt reiten könnte. Das haben wir dann versucht und das ging auch gut und Chiwa konnte danach heute auch immer noch locker Galopp laufen. Es war also nicht zu viel, was wir der Maus zugemutet haben.

Ihre Mama konnte Prima auch danach, als Jürgen und sie Prima dann endlich wieder am Führstrick hatten, durch unseren kleinen Stangen-Parcours führen.

Auch heute wieder das gleiche Problem .. beziehungsweise war es noch schlimmer. Heute haben weder Jürgen noch ich Prima noch zu fassen bekommen.

Ich bin inzwischen soweit, mir zu sagen, Prima ist einfach zu schwierig, um mit Kindern, auch so großen wie einem fast 13 Jahre alten Mädchen, zurechtzukommen, vielleicht auch zu dominant.

Es ist mir schwer gefallen, heute der Kleinen zu erklären, dass sie Prima in Zukunft bitte komplett in Ruhe lassen soll außer Hallo sagen, Leckerli mitbringen, Nase kraulen. Alles andere machen in Zukunft Jürgen und ich mit Prima wieder alleine.

Mit Chiwa so vorsichtig reiten wie gestern das geht. Also werden wir uns ab jetzt immer mit Vanessa absprechen, wann sie und wir Zeit haben, dass sie auf Chiwa reiten kann und das Wetter mitspielt und so weiter.

Ich glaube nicht, dass wir das schaffen werden, Prima und die Kleine zusammenzubringen, irgendwas klappt nicht dabei .. ich weiß nicht, woran das liegt .. vielleicht einfach daran, dass unsere schwierige Holsteinerin einfach weder ein Kinderreitpony noch ein Therapiepferd ist, sondern eben ein sehr schwieriges Tier, das ein Kind einfach nicht akzeptiert und so dann auch dadurch anfängt, allen Menschen gegenüber misstrauisch zu werden.

Ich will mich morgen nochmal genauer mit Maike darüber unterhalten. Natürlich kann ich mich irren, glaube es aber nicht.

Ich habe Prima jetzt seit Oktober 2004. Damals sollte sie geschlachtet werden, weil sie sich von niemand hat zureiten lassen und die letzte Käuferin schwer verletzt, die es versucht hat.

Zu mir kam ein komplett verschüchtertes scheues Pferd, das sich wochenlang nicht anfassen ließ.

Ich habe damals lange gebraucht, ihr Vertrauen zu gewinnen, mich aber niemals mit ihr von der Weide runter getraut.
Das tat erst Jürgen später und vorher auch schon eine Weile meine Tochter Esther, bei der Prima ja über die Zeit vom Frühling bis zum Herbst 2007 nach der Trennung von meinem Ex und mir gelebt hat.
Esther war mir ihr unterwegs, Jürgen konnte das bisher auch immer gut. Prima lief ihm bis vor wenigen Monaten auch ohne Führstrick nach wie ein Hund und mir genauso.

Wir konnten mit Prima und Chiwa draußen spazierengehen, sie ohne Probleme jederzeit aufhalftern und holen, um mit ihr was im Round Pen zu tun oder auch was anderes.

Wir haben in den vergangenen Jahren sogar kilometerweite Zu-Fuß-Umzüge mit Prima gemeistert.

Wir hatten noch nie solche Probleme mit diesem Pferd außer ich in den ersten Wochen, bis ich ihr Vertrauen dann hatte. Das ist aber 12 Jahre her.

Nun habe ich auch noch nie ein Kind mit Prima spielen lassen.

Sie kennt zwar Kinder, aber eben nur, wenn mal welche bei uns zu Besuch waren, die außer streicheln nichts mit ihr gemacht haben. Wenn, dann habe ich Besuchskinder immer auf Chiwa gesetzt und auf die Idee, dass ein Kind mit ihr Bodenarbeit machen könnte, bin ich ehrlich gesagt bisher auch nie gekommen .. bis jetzt eben.

Es mag auch Pferde geben, die zu viele Bezugspersonen nicht vertragen. Das wäre eine weitere Überlegung.

Ela und Falko haben sich früher gelegentlich mit Prima beschäftigt, davor auch während ihrer Zeit dort Esther und Jan .. mein Enkel Raphael hatte damals sein eigenes kleines Pony und wird sich nicht weiter mit diesem Problempferd befasst haben, ebenso ganz sicher nicht die Voltigierkinder aus Esthers Reitschule.

Als meine Kinder selbst noch klein waren und Freundinnen in ihrem Alter mit bei uns und den Pferden hatten, da lebte Prima noch nicht bei mir.

Ich habe aber früher auch schonmal erlebt, dass Reno umgefähr im Jahr 2002 in Boksee extrem aggressiv auf drei Kinder reagiert hat, denen ich eine Weile erlaubt hatte, sich damals mit Nixe, Chiwa und Reno zu beschäftigen. Der hat damals begonnen, jeden Menschen, auch uns selbst, wütend anzugreifen, der auf die Weide zu ihm und den Stuten wollte. Ich musste damals diese drei Kinder wieder wegschicken.

Danach hat sich Reno recht schnell weider beruhigt.

Ungefähr zwei Jahre später, als wir mit Nixe, Chiwa und Reno in Kiel-Wellsee waren, tauchte nur das Mädchen dieser Dreier-Kindergruppe wieder bei uns auf. Sie kam nicht oft, war nur ein paarmal da. Und prompt passierte es in der Zeit, dass Reno die Frau, die uns damals die Weide verpachtet hatte und sich immer um das Tränkewasser kümmerte, steigend auf der Koppel angegriffen hat .. er hat wieder so reagiert, jeden Menschen von seinen Stuten wegzujagen, nachdem dieses Mädchen wieder dagewesen war.

Reno hat sich danach schnell wieder beruhigt. Später war er jahrelang ein vollkommen geduldiges Therapiepferd in der Reitschule meiner Tochter Esther.

Ganz so schlimm reagiert Prima momentan nicht. Sie rennt nur weg und versucht auch, Chiwa dabei immer mitzunehmen, will ihre kleine Pony-Freundin also beschützen, das sieht man. Dass sie sich angewöhnen könnte, wie damals Reno Menschen anzusteigen oder nach ihnen auszuschlagen, vermute ich deshalb eigentlich nicht.

Deshalb bin ich aktuell so davor zu glauben, es sollte genügen, sie in Zukunft einfach seitens der Kinder weitgehend links liegen zu lassen.

Anfassen lässt sie sich von den Kindern ja eigentlich, auch streicheln oder an der Nase kraulen.

Und arbeiten werden Jürgen und ich dann halt wieder ganz alleine mit ihr, wenn wir auch alleine sind. Ich hoffe, dann wird das wieder mit unserer leider nicht einfachen Holsteinerin.

Unser kleines Reitmädel ist traurig. Sie hält sich für sehr erwachsen und mag das gar nicht gerne hören, wenn man sagt, sie ist noch ein Kind.

Aber irgendwie habe ich ihr das trotzdem genauso beibringen müssen, auch wenn mir das in der Seele weh getan hat.

Ich kann mich auch nach wie vor irren, denn irren ist menschlich.

Aber ich denke jetzt seit fast drei Monaten darüber nach, was bloß mit unserer Großen los ist und glaube nicht, dass ich mich irre. Schließlich kenne ich meine Prima nun schon sehr lange und weiß, was für ein hochsensibles Pferd ich da mal bekommen habe oder sie mich.




Meine Freundin Andrea aus Bayern sagt immer, jedes Pferd findet sein Frauli, und Prima fand Dich, Renate.

Der liebe Gott wollte, dass ich dieses extrem problematische Tier bekomme und die Verantwortung dafür habe.

Dass ich es damit einfach habe, hat Gott vermutlich nicht vor gehabt.

Sehr nachdenkliche Grüße heute
Renate

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